Die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Freizeitschifffahrt – Die Ergebnisse unserer Umfrage

Geschlossene Grenzen, Flugverbote, Kontaktbeschränkungen – lange haben wir uns gefragt, ob eine Kreuzfahrt diesen Sommer noch möglich ist und wohin man überhaupt reisen kann. Langsam und in kleinen Etappen wird die Freizeitschifffahrt in Europa wieder erlaubt. Doch wie sind die Aussichten für die kommenden Monate und Jahre? Eine beispiellose Wirtschaftskrise wird Folge der Gesundheitskrise sein. Um welchen Preis und wo werden Bootsliebhaber ihren Urlaub auf dem Wasser durchführen wollen? Welche Maßnahmen oder Dienstleistungen erwarten sie von der Charterbranche, um die Sicherheit zu gewährleisten und gelassen auslaufen zu können?


Die Antworten auf diese Fragen sind für uns bei GlobeSailor elementar, um auf Kurs zu bleiben. Wir haben daher im Zeitraum vom 24. April bis 10. Mai 2020 Kunden und Interessenten aufgerufen, unseren Fragebogen auszufüllen. 311 Antworten haben wir von unserer deutschsprachigen Klientel erhalten und unternehmensweit sogar über 2500 Rückmeldungen. Vorab möchten wir uns für die zahlreichen Unterstützungsbotschaften und das Lob bedanken, was in den Beiträgen geäußert wurde!

Die Zusammenfassung der Ergebnisse publizieren wir heute auf unserem Blog. Wir hoffen, dass sie auch unseren Lesern einen besseren Überblick über den deutschsprachigen Markt und zukünftige Trends im internationalen Vergleich gibt.

DAS PROFIL UNSERER TEILNEHMER

Die Teilnehmer aus der deutschsprachigen Umfrage sind überwiegend Männer (84,5%), das Durchschnittsalter liegt bei 55 Jahren. Die zweite Grafik stellt die Altersverteilung der befragten Personen dar.

Geschlecht und Altersverteilung

Obwohl alle Teilnehmer die Liebe zum Meer und zum Urlaub auf dem Wasser teilen, war es uns wichtig die Interessensschwerpunkte besser zu identifizieren. Die Mehrheit unseres Zielpublikums sind selbstverständlich Yachtcharterkunden, daher die starke Ausprägung. In erster Linie wohl wegen mehrfacher Antwortmöglichkeiten sind auch Bootseigner, Regattateilnehmer und Jollensegler in dieser Studie vertreten.

EINE GESUNDHEITSKRISE MIT DRAMATISCHEN FOLGEN, ABER AUCH CHANCEN

Auf die Frage nach den Erwartungen an die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen äußerten sich die Teilnehmer an unserer Umfrage grundsätzlich skeptisch und eher pessimistisch angesichts der Folgen für den Konsum, durchaus aber auch hoffnungsvoll hinsichtlich eines allgemeinen Umdenkens. Viele sehen eine bewusste Rückbesinnung auf das Private, persönliche Kontakte und das regionale Umfeld. Parallel erwarten sie eine über die Krise hinausgehende, stärkere Internetnutzung im Privaten und Professionellen.

Die zentrale Erkenntnis aus unserer Umfrage: Das Vertrauen der Bootsfahrer in eine rasche wirtschaftliche Erholung bis Ende des Jahres 2020 ist mit einem Wert von 4,5/10 (10 entspricht maximalem Optimismus) zwar recht niedrig, ihre persönlichen Ressourcen sind jedoch weniger geschwächt. Diese Tendenz lässt sich in sämtlichen, von GlobeSailor bedienten Märkten beobachten. Die gesamtwirtschaftliche Erholung prognostiziert die Mehrheit erst für 2021/2022.

WIRTSCHAFTLICHE FLAUTE – NICHT IM EIGENEN GELDBEUTEL

Fast die Hälfte der Befragten (43,5%) im deutschsprachigen Raum glauben, dass die Krise keine oder nur geringe Auswirkungen auf ihre Kaufkraft haben wird. Grund hierfür mag die besondere Krisenfestigkeit der Klientel unserer Branche sein, aber auch das mit dem Alter steigende Einkommensniveau und die hohe Anzahl an Pensionären und Rentnern spielen sicher eine Rolle.

Die gute Nachricht für die Tourismusbranche: Das jeweilige Urlaubsbudget scheint noch weniger betroffen als die Kaufkraft im Allgemeinen.

EIN VIERTEL DER GEPLANTEN BOOTSKÄUFE VERSCHOBEN

Von den Befragten gaben knapp 60 Personen an, dass ein Bootskauf angedacht war. Unserer Umfrage zufolge zieht es jedoch ein gutes Viertel vor, ihre Anschaffung zu verschieben. Im Durchschnitt wird die Aufschubzeit von den künftigen Eigentümern auf etwa 3,5 Jahre geschätzt (im Median sogar nur zwei Jahre).

Bootskauf in Planung und Verschiebung der Akquisition

DER WUNSCH NACH EINEM URLAUB AUF SEE STÄRKER ALS DIE KRISE?

Für uns sehr ermutigend ist die Tatsache, dass mehr als jeder zweite Bootsfahrer sofort nach Aufhebung der Reisebeschränkungen bzw. noch in diesem Sommer an die Küste fahren möchte. Im internationalen Vergleich liegen die Teilnehmer der deutschsprachigen Umfrage damit an der Spitze, auch wenn die Motivation im Allgemeinen hoch ist und im Durchschnitt deutlich über 40% liegt.

Knapp 30% der deutschsprachigen Befragten warten lieber bis zum Herbst. Nur rund 15% der Befragten ziehen es vor, ihren Bootsurlaub auf nächstes oder übernächstes Jahr zu verschieben. Knapp 10% visieren exotische Destinationen im kommenden Winter an.

Für die nächste Kreuzfahrt zählt Kroatien bei der absoluten Mehrheit der Teilnehmer (50,8%) zu einem der ersten Reiseziele. Griechenland zieht seinerseits ein gutes Drittel der Seeleute an, gefolgt von den heimischen Binnengewässern und Küsten (27,9%).

Mehrfachnennungen möglich

Die beiden Länder an der Spitze sind mit niedrigen Infektionszahlen sehr sichere Destination. Kroatien ist zudem für Österreicher und Süddeutsche gut mit dem Auto zu erreichen, dank seiner praktischen Lage. Es bleibt wie in den vergangenen Jahren ein sehr interessantes Ziel. Entgegen unserer Befürchtungen dürfte der internationale Charterverkehr aus den deutschsprachigen Ländern also nicht zum Erliegen kommen.

Im internationalen Vergleich fällt nämlich auf, dass andere Nationalitäten jetzt deutlich stärker auf die eigene Heimat setzen. So festzustellen vor allem bei Anrainerstaaten des Mittelmeers wie bei unserem westlichen Nachbar Frankreich mit 61% der Befragten. Die knappe Hälfte der Teilnehmer in Spanien (48%) bzw. Italien (44%) würden ebenfalls tendenziell eher die eigenen Küsten aufsuchen wollen.

YACHTCHARTERKUNDEN KRISENFESTER ALS DER DURCHSCHNITTLICHE REISENDE?

Die branchenunabhängige Reiselust ist noch etwas verhalten, so das Ergebnis einer deutschlandweiten repräsentativen Online-Umfrage, die das Bayerische Zentrum für Tourismus in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut GfK im Mai durchgeführt hat. Nur ein gutes Viertel der Befragten würde sofort losfahren, sobald die Beschränkungen aufgehoben werden. Ein knappes Drittel wird dieses Jahr gar nicht auf Reise gehen; der Rest ist noch unentschieden. Ganze 25% verfügen krisenbedingt nicht über die nötigen Mittel für eine Reise. Ein deutlicher Unterschied zu der von uns befragten Stichprobe, die sich auf einen Bootsurlaub konzentriert.

EIN BOOT MIETEN JA, ABER DAS RISIKOBEWUSSTSEIN IST DA!

Befragt nach ihren Sorgen und gewünschten sanitären Maßnahmen in diesem Sommer halten annähernd die Hälfte der Teilnehmer das Risiko einer Infizierung für nicht besorgniserregend oder haben im Einzelfall die Krankheit sogar schon hinter sich. Ein deutlich höherer Anteil im Vergleich zu anderen Nationalitäten, die wir befragt haben. Dort fühlen sich nur rund 20-30% auf der sicheren Seite.

Wenn die Angst vor einer Infektion besteht, wird sie am ehesten während der Anreise zur Marina (16,4%) sowie beim Aufenthalt im Hafen und während der Einkäufe (16,3%) verortet. Voraussichtlich werden viele Reisende das Auto als Verkehrsmittel vorziehen, um zur Marina zu gelangen und Besorgungen zu erledigen. Es ist daher wichtig, dass sich Hafenbehörden und Vercharterer organisieren, um ausreichend Parkplätze anbieten zu können.

Sorge hinsichtlich der Infektionsquellen

Mehrfachnennungen möglich und dann
anteilig berücksichtigt

8% der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie sich Sorgen über eine Infizierung durch ein Besatzungsmitglied an Bord machen. Es ist in der Tat nützlich, sich vor dem Start über den Gesundheitszustand der Crew zu informieren und auch während der Reise die Hygieneregeln einzuhalten.

Im Rahmen der Übergabe befürchten 4% der Befragten eine Infektion vor allem während des Check-ins und der Inventur des Bootes. 4,2% der Bootsfahrer glauben, dass ein Risiko vom Boot und der Reinigungsqualität ausgeht. Auch wenn es sich in unserem Ranking nicht um die höchste Priorität handelt, sollte es selbstverständlich sein, dass das Boot zwischen jeder Vermietung gut desinfiziert und gelüftet wird. Wir haben daher angefangen, entsprechende Informationen unserer Vercharterer so detailliert wie möglich zur Verfügung zu stellen.

NICHT NUR ERWARTUNGEN AN DEN VERMIETER

Erstaunlich für uns ist: Über 90% der Teilnehmer sind bereit Untersuchungen über sich ergehen zu lassen, um ihre Mitmenschen zu schützen. Diese Zahlen finden sich auch im internationalen Vergleich wieder. Die Mehrheit unserer deutschsprachigen Teilnehmer würde sogar umfangreiche Tests in Kauf nehmen, nur um endlich wieder auslaufen zu können.

Bereitschaft zur Testung

QUALITÄT – DAS BESTE HEILMITTEL GEGEN DIE KRISE?

In Bezug auf ihren zukünftigen Yachtcharter erweisen sich die Bootsfahrer aus unserer Stichprobe als sehr anspruchsvoll hinsichtlich der Qualität. Der Faktor „Bootspreis“ spielt eine untergeordnete Rolle. Die Bedürfnisse lassen sich auf vier Hauptthemen runterbrechen. Sie sind wesentlich, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen:

  • SERVICE & KOMMUNIKATON (Transparenz & Offenheit, Sachkenntnis & umfangreiche persönliche Beratung, proaktive Information zu Veränderungen, …)
  • FLEXIBILITÄT (Stornobedingungen, Umbuchung, verringerte Anzahlung, kürzere und flexible Anmietzeiträume, …)
  • HYGIENE & SAUBERKEIT (Intensive Bootsreinigung, saubere Hafenanlagen, Qualitätskontrolle vor Ort, medizinische Versorgungsmöglichkeiten, …)
  • SICHERHEIT (Reiseversicherungen, Zahlungsabsicherung, Anbieterauswahl, …)

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage heißt das: Die Anbieter werden ihre Anstrengungen verdoppeln müssen, um ihre Kunden zu beruhigen und ihnen einwandfreie und zum Teil kostspielige sanitäre Bedingungen zu garantieren. Eine Anpassung der Tarife ist daher nachvollziehbar. Ob sie im Interesse des Vertrauensaufbaus jetzt unmittelbar auf den Kunden umgelegt werden sollte, ist mindestens fraglich.


Umfrage und Analyse durchgeführt von GlobeSailor SAS.
GlobeSailor ist eine Agentur für Yachtcharter und Segelkreuzfahrten. Sie ist seit 12 Jahren in mehr als 180 Destinationen mit internationaler Kundschaft tätig.

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