Der kroatische Wind und die Kunst des Segelns

Ein einzigartiges Segelrevier

Kroatien ist sowohl für Segelerfahrene als auch Segelanfänger eine beliebte Destination. Nicht nur landschaftlich, sondern auch kulturell und kulinarisch hat dieses Land jede Menge zu bieten. Für Segler besonders wichtig ist allerdings vor allem eins: die Windverhältnisse. Und hier kann Kroatien wirklich mit einigem aufwarten. Die verschiedenen Winde in diesem Land nehmen einen großen Raum ein, da sie besonders vielseitig und spannend sind. Das gilt auch, wenn ihr einen Yachtcharter in Kroatien mieten wollt – in diesem Blogpost möchten wir euch näherbringen, was ihr auf jeden Fall wissen solltet, worauf ihr achten solltet, und was einfach „nice-to-know“ ist.  

 

Das Segeln in Kroatien während eines Yachtcharters ist eine einzigartige und aufregende Erfahrung. Es gibt nicht nur jede Menge wunderschöne Orte zum Entspannen und um die Landschaft genießen, sondern auch segeltechnisch sehr viel zu erleben. Denn in Kroatien gibt es vergleichsweise häufige Windwechsel, diese führen zu kurzen und lokalen Wetterwechseln, weshalb das Beobachten der Winde für die Segelerfahrung essenziell ist. Es ist daher nicht nur sehr interessant, ein gewisses Grundverständnis über die kroatischen Winde zu besitzen, sondern auch wichtig für die eigene Sicherheit.  

In Kroatien gibt es einige Hauptwinde, die man unbedingt kennen sollte: Bora, Jugo, Mastreal und, je nach Auffassung, den Küstenwind Burin. Daneben gibt es noch die Winde Tramontana, Lebíc, Levante oder Oštro, sowie Unwetterwinde wie den Nevera.  

Hier in Korčula ist der Wind noch zurückhaltend

Hier in Korčula ist der Wind noch zurückhaltend

Jahreszeiten

Die Häufigkeit der verschiedenen Winde ist abhängig von der jeweiligen Jahreszeit. Im Sommer begegnet man besonders häufig den Winden Maestral und Tramontana. Im Winter hingegen sind Bora und Jugo vorherrschend. Generell lässt sich sagen, dass die Winde von Oktober bis Mai am stärksten sind.

Oder anders gesagt: Segelanfänger sowie Leute auf der Suche nach Entspannung und Ruhe, sollten die frühen Sommermonate bevorzugen, wohingegen Segelerfahrene, die ihr Können auf die Probe stellen wollen, im Winter auf ihre Kosten kommen.  

Die Winde

Es folgt eine Auflistung der eingangs erwähnten Winde. Dabei handelt es sich um eine Auswahl der von uns für am relevantesten befundenen Winde, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Natürlich gibt es auch noch andere Dinge bei der Vorbereitung eines Yachtcharters zu beachten, entsprechende Tipps finden Sie in unserem Blog.

Bora/Bura – Nordostwind

Der Bora ist ein eher unangenehmer Wind, da er sehr abrupt beginnt und sich auch in starken Böen äußert. Damit stellt er auch für erfahrene Segler eine Herausforderung dar. Wer sich dem Extrem stellen möchte, sollte seine Umgebung genau im Blick haben – für alle anderen empfiehlt es sich, einen sicheren Hafen anzulaufen. Vor allem im Winter kann er bis zu 10 Tage anhalten und Hurrikanstärke erreichen. Im Sommer hingegen weht er ein bis zwei Tage lang und bleibt deutlich schwächer. Besonders häufig tritt er in der Kvarner Bucht, im Velebit-Kanal in Mitteldalmatien, in der Gegend von Maslenica, in der Bucht von Nin, in der Bucht von Vrulie und vor der Halbinsel Peliesac in Süddalmatien auf.  

Wichtige Vorboten des Bora sind unter anderem ein erst stark abfallender Luftdruck, gefolgt von einer leichten Steigerung sowie einem starken Abfall der Temperatur. Zudem liegt vor dem Bora kein Dunst in der Luft, der Morgentau an Deck bleibt aus und die Wolken nehmen linsenförmige Züge an. 

Nice-to-know 

Man sagt, dass man, wenn der Bora im März dreimal bläst, mit einem heißen und stabilen Sommer rechnen kann.  

Jugo – Südostwind

Der Jugo ist einfacher einzuschätzen, da er sich langsam über 24 Stunden entwickelt. Er ist meist warm und feucht, bringt Wolken und Regen mit sich und kann auch mal mit einem Gewitter einhergehen. Da er so gut vorhersehbar ist, ist er für Segler stets willkommen – erste Anzeichen sind ein ruhiges Meer, schwache Wechselwinde, ein dunstiger Horizont sowie steigende Temperaturen und Feuchtigkeit kombiniert mit einem Druckabfall. Durch sein progressives Wachstum ist er weitaus ungefährlicher als der Bura. Unterschiede gibt es aber bei den Jahreszeiten: Im Sommer ist er seltener anzutreffen und schwächer, wohingegen er im Winter auch mal 10 Tage andauern kann.  

 

Dubrovnik an einem ruhigen Tag

Dubrovnik an einem ruhigen Tag

Nice-to-know 

Gerüchten zufolge sagte man im mittelalterlichen Dubrovnik, dass wichtige Urteile oder Entscheidungen nicht während des Jugos gefällt werden sollen. Außerdem sollen Verbrechen, die während dieser „Jugozeit“ begangen wurden, milder bestraft worden sein.  

Maestral – Nordwestwind

Der Maestral ist der perfekte Wind zum Segeln. Er weht vor allem in den Sommermonaten, wirkt dabei erfrischend und ist als angenehmer Sommerwind bekannt. Er tritt besonders tagsüber auf, wobei er in der südlichen Adria früher anfängt und auch stärker ist als im Rest des Landes. Am kräftigsten weht er im Juli und August und kann bei schönem Wetter sogar jeden Tag vorherrschen. Morgens ist der Wind noch relativ schwach und entwickelt seine Stärke progressiv im Tagesverlauf.  

Nice-to-know 

Maestral ist als „Freund aller Seefahrer“ bekannt und erfreut sich auch bei Weinbauern großer Beliebtheit, da er in den Weingärten gegen die Hitze wirkt.  

Tramontana – Nordwind

Der Tramontana hält meist nur für ca. einen Tag und kommt häufiger an der südlichen Adria vor. Der Wind ist trocken und tritt meist bei gutem Wetter im Sommer auf. Er bringt in mäßigem Tempo kühlere Luft, kann aber große Wellen verursachen. Da manchmal starke Böen aus dem Norden zu erwarten sind, sollten Segler bei der Ankerplatzsuche den Ort so wählen, dass er nicht nach Norden hin geöffnet ist. Umso mehr Spaß macht es aber, in diesem Wind und dem aufregenden Wellengang zu segeln.  

Nice-to-know 

Der Tramontana ist auch als „Schönwetterbote“ bekannt.  

Lebíc – Südwestwind

Der Lebíc ist ein tückischer, trockener Südwestwind und tritt meist dem Jugo folgend auf. Er verursacht einen starken Wellengang und ist insbesondere für die für Boote gefährlichen Kreuzwellen verantwortlich. Aufgrund seiner Beschaffenheit sollten Buchten und Häfen mit einer Öffnung nach Westen oder Südwesten gemieden werden.  

Levante – Ostwind

Der Levante ist ein wunderbarer Segelwind – sehr mäßig und unabhängig von Sonnenschein oder Regen weht er über die Adria und führt Segler sicher über das Meer. Er ist konstant und der Wellengang gleichmäßig, was ideale Segelbedingungen schafft.  

Oštro – Südwind

Der Oštro weht glücklicherweise sehr selten, denn er ist von peitschender Natur mit teilweise Sturmstärke. Für Segler ist er eine besondere HerausforderungMan sollte lieber Schutz im Hafen suchen. 

Burin

Ebenfalls ein Sommerwind, ist der Burin sehr angenehm und sanftMit ihm können Segler die kroatische Landschaft in voller Entspannung genießen.  

Nevera

Der Nevera ist der wohl gefährlichste Wind der Adria. Besonders tückisch ist, dass man ihn nur sehr schwer vorhersagen kann. Er tritt meistens im August und September auf und geht mit einem Gewittersturm einher. Es handelt sich also um eine kurzfristige Wetterkatastrophe, die durch zuvor herrschende extreme Hitze entsteht. Die Blitze und das Donnern lassen sich meist kurz vorher vernehmen, Segler sollten also darauf bedacht sein und im Zweifel einen sicheren Hafen anfahren.  

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kroatiens Windverhältnisse spannender kaum sein könnten. Dabei gibt es zwar ein paar Winde, die auf hoher See wilder werden können, allerdings sollte man sich davon nicht abschrecken lassen – wer aufmerksam ist, die Vorboten kennt oder generell in Küstennähe bleibt, braucht nichts zu befürchten. Und wer das Abenteuer sucht, ist hier extra gut aufgehoben!  

Und für alle, die von der großen Anzahl verschiedener Winde, die wir aus Deutschland ja nun nicht gewohnt sind, etwas erschlagen sind, hier eine kompakte Übersicht:  

 

Angenehme Winde:  

  • Jugo (alle Jahreszeiten, im Sommer schwächer) 
  • Maestral (insbesondere Sommermonate) 
  • Levante (alle Jahreszeiten, im Sommer angenehmer als im Winter) 
  • Burin (insbesondere Sommermonate), Tramontana (alle Jahreszeiten) 

Herausfordernde Winde:  

  • Bora (insbesondere Oktober bis April) 
  • Lebíc (selten, überwiegend in Herbst und Winter) 
  • Oštro (alle Jahreszeiten, im Sommer schwächer) 
  • Nevera (insbesondere Juli und September) 
Wer die Winde kennt, dem steht nichts im Weg

Wer die Winde kennt, dem steht nichts im Weg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.