Auf der Yacht auch mal den Anker setzen

Ein Anker an einem Hafen

Mit deYacht im Hafen einlaufen oder lieber mitten in der Natur vor Anker gehen? Vielen Seglern stellt sich diese Frage und oft wird sich für den Hafen entschieden, aus Angst, dass das Ankern zu kompliziert oder anstrengend wäre. Dabei verpasst man aber die Möglichkeit auf einzigartige Übernachtungen mitten auf See, in wunderschönen Buchten bei Nacht und auf ein Stück Lebenserfahrung. Damit Sie für Ihren nächsten Yachtcharter Bescheid wissen, wollen wir Ihnen hier das Ankern näherbringen.   Weitere Tipps, wie Ihr Yachtcharter zum vollen Erfolg wird, geben wir Ihnen in diesem Artikel.

Warum sollte man mit dem Boot vor Anker gehen?

Das freie Ankern bietet vor allem eins: Freiheit! Jeden Abend in einen Hafen einzukehren, schränkt einen doch in seiner Spontaneität ein. Es gibt so viele schöne Ankerplätze, abgelegen von der Zivilisation und mitten in der Natur. Hier können Sie Ihren Yachtcharter Urlaub ganz anders genießen.  

Ein weiterer Vorteil dieser Abgeschiedenheit ist, dass Sie weniger Rücksicht auf andere nehmen müssen. Sie können so laut sein, wie Sie wollen, an Deck grillen, noch zu später Stunde und außerhalb eines Hafenbeckens bequem schwimmen gehen und brauchen sich keine Gedanken gemachen, dass sich jemand beschwert. Insbesondere für Kinder wird dies einem kleinen Abenteuer gleichkommen.  

 

Wenn dann der Abend kommt und Sie sich entspannen können, werden Sie auf Ihrer Yacht mit Sicherheit einen romantischen Sonnenuntergang genießen können – ganz ohne störende andere Boote oder irgendwelche Hafengebäude. 

Und – ein unter Umständen gar kein unerheblicher Punkt – beim freien Ankern muss man keine Hafengebühren zahlen! 

Aber worauf müssen Sie dabei achten? 

1. Ankerplatz finden

Der richtige Ankerplatz während Ihres Yachtcharters sollte nicht nur Ihrem Auge gefallen, sondern auch einige andere praktische Vorzüge bieten: Eine Bucht mit Rundumschutz ist zum Beispiel optimal. Vor allem sollte der Ort windgeschützt sein. Falls Sie sich unsicher sind, werfen Sie dafür einen Blick auf die Seekarten . Um zu erkennen, wo sich möglicherweise Felsen oder Sandbänke befinden, können Sie ein Navi oder eine Sonde/einen Tiefenmesser nutzen. 

Ein anderer sehr wichtiger Aspekt, den Sie unbedingt beachten sollten, ist der Ankergrund. Zwar unterscheiden sich die Anker auf den unterschiedlichen Yachten untereinander, nichtsdestotrotz gibt es einige Faustregeln, die für Sie nützlich sein können:

  • Schlamm sollten Sie vermeiden, da hier beinahe alle Ankerarten nur sehr schlecht haften 
  • Bei großen Steinen sollten sie ebenfalls vorsichtig sein: Hier sollte ein Taucher überprüfen, ob alles richtig fest ist. Außerdem kann der Anker sich verkeilen – ein Problem, das sich häufig nur mit einem Taucher lösen lässt.   
  • Inwiefern sich Kies gut eignet, hängt stark von der Ankerart ab.   
  • Ton ist meistens ebenfalls als Ankergrund geeignet  
  • Der beste Ankergrund überhaupt ist aber Sand: hier kann sich der Anker sehr gut eingraben.  

 

 

Eine besondere Erwähnung sollen hier sogenannte Seegraswiesen finden. Hier sollten Sie keinesfalls ankern. Weitere Informationen finden Sie weiter unten im Artikel.

Wenn Sie einmal einen guten Ort gefunden haben, gilt es noch, die genaue Umgebung zu beachten: Liegen hier auch noch andere Boote, sollten Sie unbedingt aufpassen, dass Sie auch bei einer Drehung des Windes gegen niemanden stoßen/mit niemandem kollidieren. Und auch auf nahegelegene Ufer sollten Sie achten. Ein wichtiges Stichwort in dem Zusammenhang ist das „Schwojen“ – das Hin- und Herdrehen eines Schiffes. Je nach Wind kann das Boot volle 360° schwojen – also einmal im Kreis. Die Länge der Ankerkette stellt dabei ungefähr den Radius des Kreises dar. 

Idealerweise überprüfen sie regelmäßig die Situation – am besten im Wechsel mit anderen Crewmitgliedern, damit jeder zum Schlafen kommt. 

2. Anker fallen lassen

Sobald Sie einen geeigneten Ort gefunden haben, können Sie sich daran machen, den Anker zu setzen. Ganz wichtig: Ihr Boot wird später nicht dort liegen, wo Sie die Ankerkette ins Wasser fallen lassen! Viel mehr wird dort später der Mittelpunkt Ihres Schwojen-Kreises sein. 

Sobald Sie den Anker fallen gelassen haben und bevor er auf dem Boden aufkommt, können Sie bei den meisten Pflugschar-Anker-Typen mit einer geringen Geschwindigkeit zurücksetzen. So lässt sich der Anker gut positionieren und eingraben. Sobald der Anker auf dem Boden greift, sollten Sie den Motor stoppen.  

Jetzt haben Sie es fast geschafft! Zur Kontrolle können Sie entweder, wenn es das Gewässer erlaubt, visuell überprüfen, ob der Anker fest ist. Ansonsten können Sie die Hand auf die Ankerkette legen und durch vorsichtiges Rückwärtsfahren testen, ob sich Spannung aufbaut.  

3. Die Kettenlänge

Bei der Frage nach der richtigen Kettenlänge scheiden sich die Geister. Laut Lehrbuch sollte man die 3-fache Wassertiefe nehmen – das ist häufig in der Praxis allerdings viel zu wenig. Eine andere Lehrmeinung, die von der fünffachen Wassertiefe ausgeht, ist zwar sicherer aber häufig nicht umsetzbar: Sobald das Wasser 25 Meter tief ist, würde dies einer Kettenlänge von 125 Metern entsprechen. Nicht nur ist das sehr viel Kette, aber wir erinnern uns auch an das Schwojen: Je länger die Kette, desto größer der Radius des Kreises.  

Eine andere Möglichkeit ist daher, über die Kettenlänge, die am Boden liegt zu gehen: Blauwasser teilte den Tipp, dass man drauf achten soll, dass 20 Meter Kette auf dem Boden liegen. Dann kann man nochmal mit rund 5 Metern rechnen, die die Kette nach oben abbiegt und mit der letztendlichen Wassertiefe. Die Rechnung ist dann also 25 Meter plus Wassertiefe. Am Ende sind diese Faustregeln aber noch keine Garantie: Auch das Wetter und der Wellengang, der Ankergrund und die Ankerart spielen eine Rolle. Lassen Sie sich am besten direkt von Ihrem Vercharterer in Bezug auf mögliche Ankerplätze beraten – der kennt das Boot und die Gegebenheiten am besten! 

 

Tendenziell sind Charterboote im Mittelmeer mit verhältnismäßig kurzen Ankerketten um die 30-50m ausgestattet. Aufgrund der gut ausgebauten Infrastruktur wird von Seiten der Eigner eher mit dem Anlegen in Häfen und Marinas gerechnet. 

4. Ankerwache

Der Anker ist im Wasser, die Yacht steht, alles so weit fertig – und jetzt? Aufgrund sich verändernder Wind- und Wetterverhältnisse kann es immer mal passieren, dass man den Anker neu justieren muss. Das zu überprüfen, nennt sich „Ankerwache“. Dafür können Sie moderne GPS-Systeme nutzen, die häufig eine Ankerwachen-Funktion haben und Sie alarmieren können, sobald sich etwas an der Position Ihres Bootes verändert. Und wenn Sie Liegeplatznachbarn haben, bietet es an, gegenseitig ein Auge aufeinander zu haben. Wenn es das Wetter zulässt, können Sie das Boot aber auch mal für einige Zeit alleine lassen und die Umgebung erkunden – nur nicht zu lange, und halten Sie sich bereit, jederzeit zum Liegeplatz zurückkehren zu können.  

4. Den Anker lichten

Die Nacht ist vorbei und Sie sind bereit, neue Küstenabschnitte zu erkunden – zur Weiterfahrt muss natürlich der Anker gelichtet werden! Dafür müssen Sie die Ankerleine entlang fahren und währenddessen die Kette langsam über die Ankerwinde einholen. So sollte der Anker aus dem Grund brechen. Spätestens wenn Sie etwas über den Anker hinausgefahren sind, sollte er sich dann aushebelnWenn Sie Schwierigkeiten dabei haben, könnte es sein, dass sich der Anker verkeilt hat – in dem Fall können Sie Ihn während eines Tauchgangs lösen.  

Seegraswiesen

Einen besonderen Abschnitt möchten wir der Erwähnung der Seegraswiesen widmen. Seegras ist eine Pflanze, die man gemeinhin auf Sandböden im Meer- oder Wattbereich vorfindet. Sie sind für das Ökosystem des Mittelmeeres sehr wichtig: Sie sind nicht nur Wohnort vieler Fischarten, sondern schützen Strände auch vor Erosion und können CO2 in Sauerstoff umwandeln. Allerdings verringern sich die Seegrasbestände zunehmend. Die Schifffahrt ist dabei eine der größten Bedrohungen: Wenn über einer Seegraswiese geankert wird, reißt der Anker das Seegras oft in ganzen Bündeln heraus. Das richtet große Schäden an, von denen sich das Seegras erst nach einigen Jahren wieder erholen kann.  Aus dem Grund ist laut EU-Recht das Ankern über solchen Seegrasfeldern verboten. Achten Sie also darauf, wenn Sie mit Ihrer Yacht unterwegs sind und profitieren Sie von Ihrem Charter ganz nachhaltig.   

Selbst Hand anlegen!

Also, worauf warten Sie? Buchen Sie noch heute Ihr Traumboot und probieren Sie das mit dem Ankern selber aus!

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