Die Winde im Mittelmeer

Wer schon einmal im Mittelmeerraum gesegelt ist, weiß, wie viele verschiedene Arten von Wind dort vorherrschen! Für Segler ist es je nach Wind wichtig, ihn frühzeitig zu erkennen, um dann entsprechend handeln zu können. Deshalb haben wir eine Übersicht der häufigsten Winde im Mittelmeer erstellt. So könnt Ihr Euch schnell und einfach über alles Wichtige informieren!

Bora

Die Bora ist ein kalter, trockener Fallwind und gehört zu den stärksten Winden der Welt. Sie tritt vor allem zwischen dem Golf von Triest und der kroatischen sowie montenegrinischen Adriaküste auf. Spitzengeschwindigkeiten von einzelnen Böen können bis zu 250km/h betragen. Die Luft der Bora ist deshalb so kalt, da sie in einem Polargebiet entsteht. Am häufigsten tritt sie im Winter auf, währenddessen sie oftmals mehrere Wochen am Stück Regen und Sturm mit sich bringt. Gelegentlich kommt eine Bora auch im Frühjahr/Sommer vor, dann jedoch nur für ein paar Stunden und lange nicht so heftig. Die vorherrschende Windrichtung ist Nordosten/Osten. Charakteristisch für die Bora ist, dass sie urplötzlich mit starker Wucht auftritt und sich ohne Vorankündigung die Karsttäler hinunterstürzt. Der Seegang während der Bora ist zwar kurz, erreicht jedoch beachtliche Höhen, weshalb man in einer sicheren Bucht oder im Hafen abwettern sollte.
Anzeichen: Eine schwarze Wolkenmasse über den Bergkuppen in Küstennähe. Wenn sich aus dieser Wolkenmasse einzelne Fetzen lösen, kann man sicher vom Auftreten der Bora ausgehen. Auf See kündigt sie sich mit von Osten kommenden Schaumkronen an. Sind diese in unweiter Entfernung, sollte unbedingt gerefft werden. Auch kroatische Rundfunksender geben Bora-Warnungen raus, wenn Wind von mehr als 30kn erwartet wird.

Meltemi

Der Meltemi ist der vorherrschende Sommerwind in der Ägäis und ist auch als Etesien bekannt. Hauptsächlich weht er von April bis Oktober, sein Maximum erreicht er im Juli/August. Er bringt stets angenehme Erfrischung und sowohl gutes Wetter als auch gute Sicht mit sich. Durchschnittlich weht er mit Windstärken von 4 bis 5Bf, kann jedoch auch häufiger 8Bf oder mehr erreichen. Aus diesem Grund ist die Ägäis auch nicht für Segelanfänger geeignet. Im nördlichen und mittleren Teil der Ägäis weht der Meltemi von Norden aus, im östlichen Teil bei Rhodos und dem Dodekanes von Nordwest und läuft dann ins östliche Mittelmeer aus. In der Nähe der Peloponnes weht der Meltemi nicht ganz so stark und kommt aus Nordost. Im Gököva-Golf der Türkei dreht er dann auf West. In der Regel setzt der Wind am Vormittag ein und weht den Tag über bis zum späten Abend. Segler sollte vor allem in den Meerengen Tinos und Andros aufpassen, da sich dort 1 bis 2Bf mehr entwickeln können.
Anzeichen: Es gibt mehrere Anzeichen, die für einen aufkommenden Meltemi stehen. Darunter zählen tiefblauer Himmel mit Schäfchenwolken, die aus Südwest bis Westen kommen sowie ein steigender Luftdruck auf dem Balkan. Bei einem auftretenden Meltemi ist kein Morgentau mehr auf dem Deck zu sehen.

Mistral

Der Mistral hat seinen Ursprung im Rhonetal und weht hauptsächlich im Südwesten Frankreichs, im Löwengolf, in Sardinien und Korsika. Er ist ebenfalls ein trockener, kalter Fallwind, der in Ausnahmen Orkanstärken annehmen kann und von Nord bis Nordwesten weht. Auch der Mistral tritt sehr plötzlich mit hohen Windgeschwindigkeiten auf, ab und an jedoch auch sanft und langsam, wobei er sich dann im Laufe der Tage immer weiter steigert. Typisch sind dann ein wunderschöner Sternenhimmel und ein erheblicher Abfall der Temperatur. In der Straße von Bonifacio kann er, aufgrund der Meerenge, ebenfalls mit 1 bis 2Bf mehr wehen.
Anzeichen: Ein Indiz für einen plötzlich hereinbrechenden Mistral sind die sogenannten Lenticulariswolken, strahlend weiße, linsenförmige Wolken am sonst blauen Himmel.

Scirocco

Der Scirocco ist ein heißer, gleichmäßiger Wind, der von der Sahara in Richtung Mittelmeer weht. Er kommt aus Süd/Südost und tritt meist im Frühjahr, Sommer und Herbst auf. In Kroatien wird er als „Jugo“ bezeichnet. Er startet sehr heiß an der nordafrikanischen Küste und nimmt über dem Mittelmeer dann reichlich Feuchtigkeit auf, weshalb er im Norden sehr schwül wird. In der Regel erreicht er höchstens 6Bf, er kann im Extremfall jedoch auch einen heftigen Sandsturm mit sich bringen. Der Scirocco beginnt langsam und erreicht nach ein bis zwei Tagen sein Maximum.
Anzeichen: Wenn das Barometer langsam fällt, die Luft sehr schwül wird und die Luftfeuchtigkeit ansteigt, sind das meistens Indizien für einen aufkommenden Scirocco.

Tramontana

Die Tramontana ist ein kalter, oft böiger Wind, der aus Nord bis Nordwesten kommt. Er weht hauptsächlich in Italien, Kroatien, Südfrankreich und Nordspanien. Er tritt vor allem im Winter mit daraus folgenden, schnellen Temperaturstürzen sowie Niederschlag und Böen auf. Im italienischen Bereich frischt er vor allem das Ligurische sowie das Tyrrhenische Meer auf.
Anzeichen: Richtige Anzeichen für eine aufkommende Tramontana gibt es leider nicht, da sie sowohl bei stabiler, wolkenfreier Schönwetterlage als auch bei mittlerer bis stärker Bewölkung auftreten kann.

 

Und da Ihr jetzt ja über alle wichtigen Winde Bescheid wisst, hält Euch nichts mehr von einem Yachtcharter ab!

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