GlobeSailor-Aktuell

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Die Urlaubssaison ist im vollen Gange und es heißt Anker lichten und Leinen los für alle Meeresliebhaber! Allerdings beschäftigt viele Seefahrer ein brisantes Thema, nämlich das Schicksal der in Seenot geratenen Flüchtlingsboote. Angesichts der Aktualität dieser Thematik, informieren wir Sie über die Hauptrouten der Flüchtlinge, wie Sie bei der Begegnung eines solchen Bootes helfen können und über Organisationen, die sich der Rettung von Flüchtlingen in Seenot verschrieben haben.

Woher kommen die Flüchtlinge? Wo könnte ich Ihnen während meines Törns begegnen?

Es gibt 2 Routen, die genutzt werden, um nach Europa zu gelangen. Die erste Route verläuft vom türkischen Festland in Richtung der Griechischen Inseln.
2016 haben 150.000 Migranten diese Route gewählt, im Jahr 2015 waren es etwa 850.000 Menschen, davon 40% Kinder. In 90% der Fälle sind die Herkunftsländer
der Flüchtlinge Syrien, wo seit 5 Jahren der Bürgerkrieg tobt, Afghanistan, das unter Anschlägen und den Kämpfen zwischen der Regierung und der Taliban zu leiden hat und der Irak, den die Menschen aufgrund der Brutalität des sog. „Islamischen Staates“ verlassen müssen.

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Die zweite Route verläuft von Nordafrika bis nach Sizilien: In der ersten Hälfte von 2016 schlugen 70.000 Menschen diesen Weg ein, 2015 waren es 150.000. Es handelt sich demnach momentan für die Route nach Griechenland um deutlich rückläufige Zahlen, während man nach diesem Sommer wieder von steigenden Zahlen für die Route nach Sizilien ausgehen kann. Die Möglichkeit auf Flüchtlingsboote zu treffen ist folglich in der Nähe der türkischen Westküste sowie an der Südküste Siziliens am größten. Jegliche Form der Hysterie bzgl. eines möglichen
Zusammentreffens ist folglich fehl am Platz.

Gibt es Auswirkungen für Segler?

Dies ist eine Frage, die viele Segler beschäftigt, darunter auch Andreas Fritsch, der Leiter des Reiseressorts des Segelmagazins YACHT. Er selbst ist ein begeisterter Segler und Blogger, der sich mit den Auswirkungen für Segler befasst hat. Folgende Vorschriften sollten Sie vor Ihrem Törn demnach unbedingt kennen (auch nachzulesen in seinem Blog unter www.insidersegeln.com):

– Die Pflicht zur Seenotrettung ist in mehreren völkerrechtlichen Verträgen des Internationalen Seerechts niedergelegt. Das bedeutet: Sie sind rechtlich verpflichtet, zu helfen!

– Jeder Person, die auf See in Lebensgefahr angetroffen wird, muss Hilfe geleistet werden (sofern der Kapitän ohne ernsthafte Gefährdung des Schiffes, der Besatzung oder der Fahrgäste dazu im Stande ist).

-Laut dem Internationalen Übereinkommen von 1974 zum Schutz des  menschlichen Lebens auf See (SOLAS), ist der Kapitän dazu verpflichtet,  sobald er von irgendeiner
Seite Meldung von Personen in Seenot erhält, ihnen  ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit oder die Rechtsstellung  einer solchen Person oder die Umstände in höchster Geschwindigkeit zur  Hilfe zu eilen.

Falls Sie doch einem Flüchtlingsboot begegnen…Wie können Sie helfen?

– Bergen Sie die in Not befindlichen Personen. Stellen Sie ihre medizinische Erst- oder sonstige Grundversorgung sicher.

– Kontaktieren Sie den zuständigen Seenotrettungsdienst. Man wird von  Ihnen folgende Angaben verlangen: Informationen über die Überlebenden, Name, Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand sowie eventuelle  medizinische Bedürfnisse, die Frage nach ausreichender Ausrüstung zur  Lebensrettung, Wasser, Lebensmitteln, Medizin, Unterbringung der an Bord  genommenen Personen, Sicherheit Ihrer Besatzung.

– Beachten Sie: Wer nicht hilft, macht sich strafbar! Es droht eine Anklage  wegen unterlassener Hilfeleistung. Zumindest dann, wenn man sich im  Küstengewässer und damit im Hoheitsgebiet eines Staates befindet, denn dort  gilt innerstaatliches Strafrecht.

Solidarität auf See“ – ein gemeinnütziger Verein, der sich der Seenotrettung von Flüchtlingen verschrieben hat

Angesichts der humanitären Katastrophe, die sich auf unserem allseits geliebten Mittelmeer abspielt, hat sich eine Gruppe passionierter Segler ein Herz gefasst und Anfang 2016 die Organisation „Solidarität auf See“ gegründet. Ihr Ziel ist es, Segler, Charterfirmen, Segelschulen, Marinas aber auch Bootsausstellungen sowie Werften für sich zu gewinnen und für eine funktionierende Seenothilfe zu engagieren. Mehr dazu unter www.solidaritaet-auf-see.ch

. Hier finden Sie die verschiedenen Hilfsprojekte im Kurzüberblick zusammengefasst:

SeaWatch: Eine deutsche, durch Spenden finanzierte Organisation, die sich  seit 2015 mit eigenen Booten für die Rettung von Flüchtlingen in Seenot  engagiert. Die Freiwilligencrew hilft z.B. durch die Ausgabe von Trinkwasser  und Schwimmwesten sowie mit medizinischer Versorgung.                                .

– MOAS: Die bewegliche Hilfsstation auf See „Migrant Offshore Aid Station“ hilft  seit 2014 im Mittelmeerraum und hat bereits über 13.000 Menschen gerettet.  MOAS hat ebenfalls eigene Boote und Helikopter im Einsatz und arbeitet eng  mit „Ärzte ohne Grenzen“ zusammen.

AlarmPhone: Alarm Phone/Watch the Med hilft in Seenot geratenen  Flüchtlingen durch die 24/7 Betreibung einer Telefonnummer, die Notrufe  entgegennimmt und an die für die Seenotrettung zuständigen Stellen  weiterleitet.

Allein Anfang August konnten durch diesen engagierten Einsatz 2.900 Personen gerettet werden. Wir sagen danke!

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